17. Spieltag 2017/2018 – Die Bundesliga Tipps

Fr 15.12. 20:30
Borussia Mönchengladbach – HSV 2:1

Die schöne Ausgangsposition hat Borussia Mönchengladbach wieder verspielt. Aber zum Glück kommt ja der HSV zu Besuch. Zum Abschluss der Hinrunde wird wieder deutlich, dass es beim HSV immer noch brennt. Hartes Spiel und irrsinnige Gesichtsausdrücke von Kyriakos Papadopoulos reichen nicht, um wieder mit den Topclubs der Bundesliga aufzuschließen. Und jeder Kreisligaspieler weiß, dass es gut ist, einen Wahnsinnigen im eigenen Team zu haben – aber eben nur in bestimmten Momenten. Wenn sich alles auf ihn fokussiert und er den Ton angibt, ist das meist ein schlechtes Zeichen. Auswärts ist der HSV außerdem zu harmlos, um Gladbach wirklich gefährlich zu werden.

Sa 16.12. 15:30
1. FC Köln -VfL Wolfsburg 1:0

Selbst wenn der 1. FC Köln die Saison mit 3 Punkten beenden würde, wäre der HSV wohl trotzdem noch die größere Lachnummer. Das muss man erstmal schaffen. Gegen den VfL Wolfsburg gibt es allerdings doch noch den ersten Saisonsieg. Und dann keimt die Hoffnung noch einmal auf. Eine komplette Hinrunde ohne Sieg wünscht man keiner Mannschaft. Und wenn es dann noch gegen Wolfsburg geht, sollte jeder den Kölnern den Sieg gönnen. Mer stonn zo dir, FC Kölle.

Werder Bremen – Mainz 05 2:0

Als Kind fand ich die Weihnachtstrikots von Werder Bremen immer so toll. Die Raute wurde gegen einen Weihnachtsbaum getauscht! Oh mein Gott. Zu der Zeit steckten in den Trikots aber auch noch Micoud und Ailton und nicht Gondorf und Kruse. Aber was könnte es aktuell schöneres geben, als ein Heimspiel gegen Mainz 05 zum Abschluss der Hinrunde. Leichtes Spiel für Werder Bremen. Gondorf und Kruse schießen die Tore und lassen mich schweigen.

Eintracht Frankfurt -Schalke 04 1:1

Schalke 04 ist immer noch Zweiter. Und da man den FC Bayern mittlerweile ja ohnehin nicht mehr mitzählt, sind die Schalker auf dem Weg zur Herbstmeisterschaft. Statt BVB gegen Hoffenheim ist dieses Spiel für mich das Topspiel des Spieltags. Schade, dass nur zwei Tore fallen. Beide Teams werden am Ende international spielen. Bei beiden muss es am Trainer liegen.

FC Augsburg – SC Freiburg 1:1

Ein Herz für Freiburg. Ich würde es dem Team von Christian Streich sehr gönnen, die 20 Punkte zu knacken. Aber Augsburg spielt einfach nicht den Fußball, den sich die meisten vor der Saison für ihre Tipps gewünscht haben. Am Ende geht es langweilig mit einem Unentschieden zu Ende. Beide Teams können damit leben und überwintern unerwartet über dem Strich. Und ich überlege, ob ich Michael Gregoritsch im Winter für mein Kicker Manager Team verpflichten soll.

VfB Stuttgart – Bayern München 0:3

Robert Lewandowski hat genug. Er möchte in dieser Saison endlich die 40 Tore-Marke von Gerd Müller knacken. Deshalb gibt es in Stuttgart einen humorlosen Hattrick. Und wir hoffen, dass Lewandowski während des Jahreswechsel mal in den Spiegel guckt und die Spinnweben auf dem Kopf auskämmt. Für den VfB wird es in der Rückrunde spannend, aber bisher sind sie noch im Plan. Ich drücke die Daumen.

Sa 16.12. 18:30
Borussia Dortmund – TSG Hoffenhein 1:2

Peter Stöger sieht in der BVB Weste irgendwie merkwürdig aus. Das hat nichts mit dem Spiel zu tun, musste ich aber mal loswerden. Und die Aufbauarbeit wird in der Winterpause erst so richtig beginnen. Beim BVB hat man anscheinend nun gemerkt, was passiert, wenn man mit aller Gewalt bei den ganz Großen mitspielen will. Statt sich auf das zu verlassen, was den Club ausmacht, holt sie das schnelle Wachstum nun ein. Hoffenheim zeigt sich da recht humorlos. Julian Nagelsmann kitzelt am letzten Spieltag noch einmal alles aus seiner Mannschaft heraus und malt dem BVB damit ein großes Fragezeichen in das Halbjahreszeugnis.

So 17.12. 15:30
Hannover 96 – Bayer 04 Leverkusen 0:3

Hannover 96 steht punktetechnisch im Soll, obwohl die letzten Spiele bis auf gegen Hoffenheim nicht überragend waren. Bayer Leverkusen weiß hingegen gar nicht mehr, wie sich Niederlagen anfühlen. Und das wird sich in der Hinrunde auch nicht mehr ändern. Die Offensive, Karim Bellarabi mal ausgeklammert, ist seit Wochen in Topform und auch wenn Hannover zu Hause sicher steht, kommt vor Weihnachten noch einmal der Einbruch. Die Stimmung ist dann etwas getrübt und Martin Kind bockt auf der Weihnachtsfeier rum. Nun ja, es gibt schlimmeres.

So 17.12. 18:00
RB Leipzig – Hertha BSC 2:0

Da musste ich bei der Auslosung zur Europa League doch etwas schmunzeln. Der schwerste Gegner wartet nun ausgerechnet in der Zwischenrunde auf Leipzig. Viel Spaß gegen den SSC Neapel. Aber nun zum Tipp. Das letzte Bundesliga Spiel des Jahres. Leipzig hat seit drei Spielen nicht mehr gewonnen und ist trotzdem noch Dritter. Scheinbar hat niemand Lust auf die Rolle des Bayernjägers. Gegen die Hertha lassen die Leipziger aber nichts anbrennen und gewinnen glanzlos. Danach fahren die Spieler alle nach Hause zu Mutti.

 

Und das war die Hinrunde der Bundesliga Saison 2017/2018. Ich wünsche euch frohe Weihnachten und einen tollen Start ins neue Jahr.

Bis Montag

 

14. Spieltag 2017/2018 – Die Bundesliga Tipps

Fr 01.12. 20:30
SC Freiburg – HSV 2:1

HSV-Bashing ist uncool. Man hat ja früher auch nicht das Kind mit der abgeklebten Brille geärgert. Der HSV macht es seinen Kritikern aktuell auch gar nicht so leicht. Da gewinnen sie einfach mal frech gegen die TSG Hoffenheim mit 3:0. Das war anders geplant. Dem SC Freiburg traue ich zu Hause, an einem Freitagabend, trotzdem den Sieg zu. Für die Hamburger heißt es somit weiter Abstiegskampf.

Sa 02.12. 15:30
Bayern München – Hannover 96 3:0

Mein Standard Bayern-Tipp gegen Mannschaften aus der Kategorie „ehemaliger Arbeitgeber von Mike Hanke“. Bei einem 3:0 wird niemand kritisiert. Nicht einmal Sven Ullreich. Die Bayern werden nur das nötigste machen und gegen Hannover 96 selten in Gefahr geraten. Am Ende täuscht das Ergebnis wie immer sehr. Das Spiel wird ungefähr so langweilig wie andernorts ein 0:0. Robert Lewandowski will in dieser Saison endlich Gerd Müller ablösen und 41 Tore schießen. Spiele gegen Hannover 96 sind ideal für seinen Plan. In der ewigen Torschützenliste der Bundesliga liegt er übrigens bereits auf Platz 11 und könnte in dieser Saison theoretisch noch Ulf Kirsten (181 Tore) auf Platz 6 kassieren.

TSG Hoffenheim – RB Leipzig 0:2

Man könnte auch vom „el plástico“ sprechen. Der Hype um Julian Nagelsmann und die TSG Hoffenheim hat sich wieder etwas gelegt und spätestens seit der letzten Woche hat Domenico Tedesco wohl die besten Karten um den Trainerjob beim FC Bayern und der Weltauswahl. Ein Tipp an alle Fußballeltern: die Wahrscheinlichkeit, einen Profifußballer großzuziehen, ist relativ gering. Konzentriert euch lieber direkt auf ein junges Trainertalent. Ich sehe die Schlagzeilen schon vor mir. „13-jähriges Wundertrainerkind gewinnt die Champions League und bleibt bescheiden“. Achso RB Leipzig gewinnt übrigens.

Werder Bremen – VfB Stuttgart 0:0

Zu Hause 4 Punkte, auswärts 4 Punkte. Wo liegen denn nun die Stärken der Bremer? Aktuell sieht es wieder nach einer Zittersaison aus. Haben die Journalisten sich jahrelang zu sehr auf den HSV konzentriert, wo doch wenige Kilometer entfernt ein weiterer Nordclub abzurutschen droht? Im Weserstadion muss Werder Bremen es in diesem Jahr reißen. Umso ärgerlicher, dass es ausgerechnet gegen den VfB Stuttgart nicht für drei Punkte reicht. Die nächsten Wochen werden ungemütlich für den SV Werder. Ich vermute sogar, dass sie auf einem Abstiegsplatz überwintern.

Bayer 04 Leverkusen – Borussia Dortmund 3:3

Vorne immer noch „arschschnell“ wie die Vogelspinne Herr Fugbaum vom kürzlich verstorbenen Bernd Knauer (Kieler Kneipenterrorist), aber hinten wird es schnell brenzlig. Ich spreche vom BVB. Es wird gemunkelt, dass Neven Subotic in der Startelf steht. Das kann ich unter dem Umstand, dass Bayer Leverkusen eine sehr agile Offensivreihe mitbringt, nicht nachvollziehen. Peter Bosz ist aktuell aber auch wirklich nicht zu beneiden. War der BVB am Ende doch eine Nummer zu groß? Oder wird der BVB aktuell von Teams überholt, die sein Konzept nachgeahmt haben? In der Offensive zeigt der BVB wieder wie gefährlich diese Mannschaft sein kann. In der Defensive wackelt es und Leverkusen hat mit Kevin Volland jemanden, der aktuell nichts anbrennen lässt.

Mainz 05 – FC Augsburg 0:1

„Ich hätte mich nicht abgegeben“. Ein Spruch der ohne weiteres von Mario Basler oder Peter Neururer stammen könnte. Nach seinem Wechsel vom HSV zum FC Augsburg sprach jedoch Michael Gregoritsch so von sich. Und momentan muss man die gute Platzierung der Augsburger auf jeden Fall mit seinem Namen in Verbindung bringen. Nach einem Sieg über de VfL Wolfsburg sollte Mainz 05 keine große Hürde sein. Auch ich hatte den FCA vor der Saison als ersten Absteiger auf dem Zettel, aber sie lassen sich, im Gegensatz zu vielen anderen Teams, überhaupt nicht aus der Ruhe bringen und können nach diesem Spieltag fast schon für die nächste Saison im Oberhaus planen. Im Übrigen habe ich mittlerweile Mainz 05 als Absteiger auf dem Zettel.

Sa 25.11. 18:30
Schalke 04 – 1. FC Köln 2:0

WAS FÜR EIN SPIEL?! Also das Derby gegen den BVB natürlich. Ich hatte auf einen Sieg von Schalke 04 getippt. Und irgendwie hatte ich damit ja auch Recht. 4:4 gewonnen – das kann auch nicht jeder von sich behaupten. Normalerweise würde eine Mannschaft nach so einem Spiel, typischerweise in der nächsten Woche gegen den Tabellenletzten patzen. Vor allem der FC Schalke 04. Aber nicht diesmal. Köln ist immer noch ersatzgeschwächt und wird sich wohl unweigerlich bis zum Ende im Tabellenkeller befinden. Da zeigen die Schalker ausnahmsweise kein Herz und etablieren sich als erster Bayernjäger.

So 26.11. 15:30
Hertha BSC – Eintracht Frankfurt 0:3

Der Sieg über Köln sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass Hertha BSC aktuell keinen tollen Ball spielt. Ich glaube, dass sie zu Hause gegen Eintracht Frankfurt unter die Räder kommen. Und Eintracht Frankfurt wird sich nach diesem Spiel auch eher nach oben orientieren. Mit den Europa League Plätzen hat Hertha in dieser Saison nichts zu tun, aber keine Panik – es gibt noch vier bis fünf Teams, die hinter der Hertha landen werden.

So 26.11. 18:00
VfL Wolfsburg – Borussia Mönchengladbach 1:1

Bei der Borussia weiß ich gar nicht mehr, was ich tippen soll. Da ich Lars Stindl für mein Kicker-Manager Team verpflichtet habe, freue ich mich natürlich immer über Tore für Gladbach mit Beteiligung von Stindl. Aber Tipps fallen mir bei dem Team immer schwer. Dazu ist es noch das letzte Spiel des Spieltags. Ich konnte mir noch nie vorstellen, dass die Spieler am Sonntagabend um 18:00 Uhr Lust haben, zu spielen. Zu mal der angesprochene Lars Stindl Verfechter von 15:30 ist. Und da ein Unentschieden-Tipp bei Spielen von Wolfsburg in dieser Saison nie verkehrt ist, tippe ich ein unspektakuläres 1:1. Bitte mit Tor von Lars Stindl. Ich möchte doch mal so einen tollen Rasierer vom kicker gewinnen.

13. Spieltag 2017/2018 – Die Bundesliga Tipps

Fr 24.11. 20:30
Hannover 96 – VfB Stuttgart 0:2

Das Duell der Aufsteiger (wer hätte mal gedacht, dass man damit tatsächlich diese zwei Mannschaften meint) wird kein Leckerbissen, denn punktetechnisch sieht es für beide ganz gut aus. Mit so einer Situation können Vereine, die etwas auf sich halten, nicht umgehen. Hannover ist nach dem Debakel gegen Bremen verunsichert und bekommt jetzt langsam die Quittung für das Theater im Hintergrund. Und das nutzt der VfB – kontert zweimal stark, kratzt mit dem Sieg bereits an den internationalen Plätzen – und wird wieder größenwahnsinnig.

Sa 25.11. 15:30
Borussia Dortmund – Schalke 04 2:3

„Samma Schaaaaalke!“ oder „Samma Tedescoooo!“ – Was ist da denn los? Schalke steht beim Derby auf dem zweiten Tabellenplatz und vor Borussia Dortmund. Ich wühle mich jetzt nicht durch alte Tabellen, aber vom Bauchgefühl würde ich sagen, dass Ebbe Sand und Jörg Böhme noch königsblau trugen, als diese Konstellation zum letzten Mal zutraf. Und es könnte keinen besseren Zeitpunkt für Schalke 04 geben, um den BVB so richtig den dicken Daumen zu zeigen. Und ich glaube sie gewinnen in Dortmund. Der Klettverschluss von Bürkis Handschuh löst sich in der 89. Minute leicht ab und bleibt am Trikot haften. Der Freistoß in der Nachspielzeit knallt neben ihm ins Netz, weil er den Arm nicht richtig heben konnte und Peter Bosz macht erstmal Urlaub.

RB Leipzig – Werder Bremen 4:0

Die Kruse-Show gegen Hannover 96 war beeindruckend, aber Werder ist immer noch zu unbeständig und rechnet sich gegen Leipzig Chancen aus, weil die unter der Woche ranmussten. Leider sind bei Leipzig nur 20-jährige unterwegs, die am Freitag noch nicht mal in der Disco waren. Die 4 Tore vom letzten Wochenende kriegt Bremen direkt retour. Denn auch wenn Kruse und Bartels schnell sind, sind es immer noch Kruse und Bartels. Klingt in etwa wie ein Ermittlerduo aus dem Oldenburger Tatort, fällt mir dabei auf.

SC Freiburg – Mainz 05 2:1

Und da sind sie: „Die Wochen der Wahrheit“. Zumindest für den SC Freiburg. Hintereinander geht es gegen Mainz, den HSV und Köln. Und für diese Spiele ist der SC Freiburg gemacht. Gegen Wolfsburg hatten sie kaum eine Chance, aber Abstiegskampf können die Freiburger besser als die anderen drei genannten. Nils Petersen übernimmt die Sache selbst und schnürt den Doppelpack. Zu Mainz 05 fällt mir in dieser Saison gar nichts ein. Aber das war auch noch nie anders.

Eintracht Frankfurt – Bayer 04 Leverkusen 2:3

Niko Kovac ist in meinen Augen einer der besten Trainer der Bundesliga und für mich eines Tages die Ideallösung den BVB. Heiko Herrlich ist noch kein Kandidat für den BVB, hat aber ein talentierte Offensivreihe zur Verfügung. Die bügelt die Schnitzer in der Abwehr aus und lässt Leverkusen wieder oben anklopfen. Leon Baily schießt an diesem Spieltag zwei Tore und begibt sich dann schon langsam auf Abschiedstour.

FC Augsburg – VfL Wolfsburg 0:1

Wolfsburg hat tatsächlich erst zwei Spiele gewonnen und es sieht in Augsburg lange danach aus, als ob das so bleibt. Aber die Spieler haben einfach zu viel Angst vor dem Dialekt ihres Trainers und wollen sich um jeden Preis die Ansprache nach einem vergebenen Sieg sparen. Deshalb fasst sich Daniel Didavi ein Herz und zeigt allen, warum er eigentlich gar nicht in Wolfsburg spielen müsste. Augsburg spielt irgendwie mit, aber zu viele Punkte zu diesem Zeitpunkt in der Saison würde alle Experten verstummen lassen. Das möchten die netten Augsburger nicht.

Sa 25.11. 18:30
Borussia Mönchengladbach – Bayern München 0:3

Ziemlich weit vorn im Bundesligagesetzbuch steht ja, dass Verfolger der Bayern, die sich noch gerade so in Schlagdistanz befinden, im direkten Duell mit dem Rekordmeister den Rasen mit voller Buchse zu betreten haben. Ein eventueller Punktgewinn ist nicht vorgesehen, stattdessen wird der amtierende Serienmeister zum Toreschießen eingeladen bis es womöglich auch Thomas Müller wieder schafft. Gladbach hält sich brav an das Gesetz und das ganze Land muss ab jetzt auf Schalke 04 hoffen. Oh Gott, oh Gott.

So 26.11. 15:30
HSV – TSG Hoffenheim 1:2

Das war es schon wieder mit Europa. Da hätte die Truppe von Julian Nagelsmann ja auch sagen können, dass sie keine Lust hat. Der HSV wäre bestimmt sofort eingesprungen. Apropros eingesprugen: Jann-Fiete Arp (geboren am 06.01.2000!) ist ja mal eben als Retter des HSV eingesprungen. Man vergisst nur so schnell, dass sie mit zehn Punkten immer noch am Rande des Wahnsinns stehen. Arp macht sein Tor, aber bevor Lotto King Karl den Doppelnamen abliest, hat Hoffenheim schon ausgeglichen und drückt die Murmel in der Nachspielzeit noch einmal über die Linie. So bitter ist das manchmal.

So 26.11. 18:00
1. FC Köln – Hertha BSC 2:1

Hallo! Nicht schon ins Bett gehen. Der Leckerbissen dieser Tage kommt ganz zum Schluss. Köln will mit dem Kopf durch die Wand und dieses Mal gelingt es. Der erste Sieg in dieser Saison. Und das ausgerechnet an einem Sonntag Abend. Wo geht man denn jetzt noch feiern? Aber das wird den Kölnern egal sein, denn wahrscheinlich wird es auch der letzte Sieg in diesem Kalenderjahr. Das lässt zumindest das Restprogramm vermuten. Hertha ist auch froh wenn diese Woche und dieser Monat vorbei ist. Im Dezember geht es wieder nach oben. Zwei bis drei Plätze zumindest.

Warum bist du Hansa Rostock Fan?

Eigentlich frage ich mich das auch manchmal. Es hätte so einfach sein können. Im Sommer 1995 stand mein Großvater vor meinem Cousin und mir und hielt jeweils einen Schal in der linken und rechten Hand. Jeder durfte einen haben. Mein Cousin entschied sich recht schnell und weise für den gelb-schwarzen Schal des amtierenden deutschen Meisters Borussia Dortmund. Mir blieb nichts anderes übrig, als den blau-weiß-roten Schal mit der Kogge an mich zu nehmen. Es war passiert. Das Schicksal hatte zugeschlagen und einem weiteren Jungen große Teile seiner Zukunft vorherbestimmt.

Während mein Cousin kurz darauf den Champions-League Sieg feierte und sein Zimmer mit Postern von Lars Ricken und Stefan Klos tapezierte, hingen an meiner Wand irgendwann Poster von Stefan Beinlich und Jonathan Akpoborie. Aber leider auch von Thomas Gansauge, Hilmar Weilandt, Henry Fuchs und Slawomir Chalaskewiecz. Weil das nicht genug Strafe war, durfte ich sehr viel später auch noch Partien gegen die zweite Mannschaft des FSV Mainz 05 oder Traditionsclubs wie Wehen Wiesbaden und den SV Sandhausen verfolgen.

Hansa Rostock in der Bundesliga – mittlerweile schwer vorstellbar

Im Gegensatz zu den Kindern die heute in Mecklenburg-Vorpommern aufwachsen, hatte ich jedoch das Glück, Fußballfan zu werden als Hansa Rostock gerade in die erste Bundesliga aufgestiegen war. Ein Zustand den man sich mittlerweile nur nach einer respektablen Menge Lübzer Pils vorstellen kann. So konnte ich jeden Samstag die Spiele der Kogge im Fernsehen verfolgen und lernte schon früh was es heißt, sich mit wenig zufrieden zu geben.

1997 beschloss mein Vater, dass es an der Zeit war, ein Spiel live im Ostseestadion zu verfolgen. Um die Wahrscheinlichkeit eines Sieges so gering wie möglich zu halten und mir für immer die Bedeutung der Demut näher zu bringen, erwarb er Karten für das Heimspiel gegen den FC Bayern München.

Es war ein ein warmer Tag im August. Der fünfte Spieltag der laufenden Saison. Beide Mannschaften hatten sieben Punkte eingesammelt und lagen damit in der Tabelle gleich auf. Damals wusste ich noch nicht, was das bedeutet. Vor mir lief ein Fan der statt einer Hose einen Rock aus Schals trug. Seine Jeansjacke war beinahe restlos mit Aufnähern bestickt. Er hatte hinten langes Haar, vorne einen schlecht selbstgeschnittenen Pony und schlug mit einem Stock im Takt auf seine Trommel. Dabei gröhlte er etwas von “Lederhosen” die man “ausziehen” sollte. Ich war hin und weg.

An den Bratwurstbuden standen Männer mit abgenutzten Fischermützen, sie trugen Trikots die ein paar Nummern zu klein geworden waren und unterhielten sich mit einer einer Direktheit und einer Sprache, die mir noch heute imponiert. “Da hätteste auch ein Hemd ins Tor hääängen können!” war einer der Sätze die ich nie vergessen werde. Oder aber Perlen in feinstem mecklenburgisch wie “Die Kasper gehen 17:30 schön nach Hause und gucken Sandmann, und wir müssen uns das Gegurke schön trinken.”

In der ersten Halbzeit habe ich vom Spiel nicht viel gesehen. Dies lag zum einen daran, dass ich unglaublich aufgeregt war und mir zunächst sämtliche Fahnen, Trikots und kuriose Gestalten um mich herum angucken musste. Zum anderen lag es an zwei Männern mittleren Alters, die schon nach zehn Minuten versuchten den alten, wackligen Zaun direkt vor uns zu erklimmen. Eine Kombination aus Alkohol und Mittagshitze verhinderte aber einen Klettererfolg, sodass sie irgendwo in der Mitte hängen blieben, den Oberkörper durch die schmale Öffnung schoben und der Rest von ihnen auf unserer Augenhöhe hängen blieb.

Nach einer Stunde klingelte es zum ersten Mal im Tor der Rostocker. Mehmet Scholl erzielte das 1:0. Kurz darauf legte Christian Nerlinger, der später Uli Hoeneß beerben sollte und dann von Uli Hoeneß beerbt wurde, das 2:0 nach. Aus den hinteren Reihen forderte jemand, dass man besser ein Hemd ins Tor hängen sollte.

Anschlusstreffer durch Pamic

Ewald Lienen, damaliger Trainer von Hansa Rostock, fiel jedoch etwas besseres ein. Er brachte Igor Pamic. Ein Kroate, der für mich als Kind gefühlt 2,50 m groß war und der seinerzeit von den Vereinsbossen sicherlich nur aus Angst verpflichtet wurde. Dieser glatzköpfige Kroate, von dem mein Vater behauptete, er könne mit seinem Schuss dem Torwart die Finger brechen, erzielte fünf Minuten vor Abpfiff den Anschlusstreffer für Hansa. In diesem Moment, in der 85. Minute trotz Rückstand, erfuhr ich zum ersten Mal was es bedeutet, Fan eines Fußballclubs zu sein. Die angestaute Wut und Verzweiflung wurde in Euphorie und Hoffnung umgewandelt. Innerhalb von Sekunden bekamen tausende Menschen in blau-weißen Klamotten und mit roten Köpfen den Mut, hier doch nicht als Verlierer vom Platz zu gehen. Wildfremde Menschen lagen sich in den Armen, die zwei Männer im Zaun, kletterten wieder hinunter und jubelten in der Menge mit und ich hatte zum ersten mal einen vernünftigen Blick auf das Spielfeld.

Was ich jedoch zu diesem Zeitpunkt in meiner kindlichen Naivität noch unterschätzte – es handelte sich um Hansa Rostock. Die Mannschaft, die es schafft ihre Fans in kürzester Zeit in Extase zu versetzen und in noch viel kürzerer Zeit alles wieder einreißt und mindestens doppelt so schlimm macht. Mein Vater beschrieb diesen Umstand Jahre später mit dem Vergleich eines Freundes, der dich auf 5 Bier einlädt und danach merkt, dass er gar kein Geld dabei hat.

Zwei Minuten später war es wieder eine Glatze, leider jedoch die von Carsten Jancker, einem ehemaligen Spieler aus der Jugend von Hansa Rostock, der die Hoffnung auf eine Punkteteilung schnell erstickte. Hansa Rostock verlor das Spiel mit 1:3 gegen den FC Bayern München. Eine Niederlage die mir trotzdem kaum weh tat. Allein wenn ich daran denke, wie gern ich heute mal wieder mit 1:3 gegen die Bayern verlieren würde. Diese wurden am Ende der Saison Vizemeister. Otto Rehagel schaffte mit Kaiserslautern etwas einmaliges und wurde als Aufsteiger Deutscher Meister. Hansa Rostock wurde am Ende Sechster und spielte die beste Saison in der Bundesligageschichte des Vereins.

Mein Vater und ich fuhren nach Hause. Ich hatte eine neue Welt kennengelernt und das Ergebnis interessierte mich kaum. Wir klemmten meinen Schal ins Autofenster und ließen ihn im Fahrtwind flattern. Es war offiziell. Ich war vergeben.