Hansa Rostock – Saisonrückblick 2018/2019

Hansa Rostock – Saisonrückblick 2018/2019

„Über sieben Brücken musst du gehen, sieben dunkle Jahre überstehn“ – Diese dunklen sieben Jahre seit dem letzten Abstieg aus der zweiten Bundesliga sollen für den FC Hansa Rostock nun endlich vorbei sein. Daher fasse ich die hoffentlich vorletzte Saison in der dritten Liga in meinem Saisonrückblick zusammen.

Die Saison 2017/2018 endete mit einem 1:1 gegen Absteiger Chemnitz durch einen Gegentreffer in der Nachspielzeit. Hansa Rostock schloss die Saison dadurch mit 60 Punkten auf dem 6. Platz ab und erfüllte so das vor der Saison ausgegebene Punkteziel genau. Dies war im Übrigen erst das vierte Mal seit Einführung der 3-Punkte-Regel (95/96) das Hansa Rostock (ligaunabhängig) überhaupt mehr als 50 Punkte geholt hat.

Seit dem Abstieg in die dritte Liga war dies zudem die mit Abstand beste Platzierung in der Tabelle. Insgesamt wäre sogar noch mehr drin gewesen, hätte die Mannschaft im März aus sieben Spielen mehr als die vier mageren Punkte geholt. Der Landespokal konnte erneut gewonnen werden und somit war Hansa auch für 2018/2019 für den DFB-Pokal qualifiziert.

Diese Voraussetzungen sorgten für eine gewisse Euphorie rund um den Verein. Die Defensive war eine der besten in der dritten Liga, der Trainer wusste wie man Spiele gewinnt und in der Chefetage wurde wieder professioneller gearbeitet. Um den eingeschlagenen Weg weiter zu gehen, wurde vor der Saison der Slogan „Gemeinsam nach oben“ ausgerufen und damit klar das Ziel „Aufstieg in die zweite Bundesliga“ festgelegt.

Gemeinsam nach oben – Anspruch und Wirklichkeit

Nun ist das mit den Zielen ja immer so eine Sache. Grundsätzlich finde ich klare Ziele gut. Damit Erfolg entstehen kann, benötigt man jedoch auch eine entsprechende Strategie, die nötigen Ressourcen und Fähigkeiten auf dem Platz, um dieses Ziel auch zu erreichen. Vor allem beim letzten Punkt sehe ich aktuelle die größte Schwierigkeit. Hansa bringt einfach seit Jahren keinen Kader zusammen, der zu den drei besten in der Liga gehört. Und so musste schon frühzeitig in der Saison das Ziel nach unten korrigiert werden.

Den Slogan „Gemeinsam nach oben“ finde ich trotzdem gar nicht so schlecht. Er wurde nur leider stellvertretend für das Saisonziel benutzt statt als ein von der Spielzeit unabhängiges Leitmotiv. Mit dieser Ansage vor der Saison konnte man demnach nur verlieren.

In der dritten Liga musste schon so mancher Absteiger erfahren, dass die 38 Spiele kein Zuckerschlecken sind. Und so hätte auch Hansa in der letzten Saison eine realistische Einschätzung gut getan. Ganz davon abgesehen ist Hansa im bundesweiten Vergleich ein kleiner Club, der immer am besten ausgesehen hat, wenn er bescheiden an die Dinge heran gegangen ist. Seit wann ist es eine mecklenburgische Eigenart arrogant große Töne zu spucken?

Hier würde ich mir vom Verein wünschen, sich nicht von den Social Media Kampagnen der großen Clubs beeinflussen zu lassen, sondern wieder zu seiner ganz eigenen sympathischen Underdog-Mentalität zurückzufinden. Mir ist bewusst, dass Hansa Rostock in der dritten Liga einer der größeren Namen ist, aber sich gegenüber Dorfvereinen groß aufzuspielen ist peinlich und passt überhaupt nicht zu Rostock. Einfach mal drei Heimspiele am Stück gewinnen – dann wird die Bude auch schnell wieder voll, ganz ohne Slogan. Und die so oft erwähnten „10 Jahre Bundesliga am Stück“ sind eben auch schon seit 14 Jahren vorbei. Die traurige Realität ist, dass Hansa Rostock aktuell (leistungsmäßig) bestenfalls ein ambitionierter Drittligist ist.

Kaderumbruch #3

Vor der Saison wurde wieder einmal der Großteil des Kaders ausgetauscht. 15 Spieler gingen, 12 Spielen kamen dazu (zuzüglich drei Transfers in der Winterpause). Bei der Abgängen tat jedoch nur der Verlust von Janis Blaswich (TW) und Bryan Henning (DM) wirklich weh. Letzterer hatte jedoch auch nur einen 1-Jahres-Vertrag unterzeichnet, sodass man diese Entscheidung einfach akzeptieren musste und mittlerweile ist der Junge bei Hansa auch schon wieder vergessen. Blaswich war leider nur ausgeliehen und definitiv zu stark für die dritte Liga.

Viele Transferflops (Quring, Zwick, Alibaz, Owusu, Bouziane, Väyrynen, Föll) konnte man durch den erneuten Umbruch vor der Saison wieder loswerden, auch der recht beliebte und beleibte Marcel Ziemer (ST) musste gehen. Eine absolut richtige Entscheidung wenn man bedenkt dass er bei Hansa eigentlich nur eine gute Saison gespielt hat.

Unter Tränen und auf Knien gedankt habe ich dem Fußballgott als er uns nach wenigen Spieltagen von Joshua Nadeau befreit hat. Mittlerweile spielt dieser wieder in der dritten Liga, aber in BELGIEN. Soviel zum Niveau das bei Hansa scheinbar für Startelfeinsätze reicht. Ich habe mehrfach versucht Artikel über Nadeau zu schreiben, habe aber jedesmal meine Tastatur vor Wut zerbrochen. Deshalb belasse ich es bei diesem kurzen Absatz. Ich hätte auch kein weiteres Spiel von Nadeau ertragen.

Traurig war natürlich der Abgang von Tommy Grupe. Schaut man sich jedoch bei ihm und so vielen anderen Abgängen den aktuellen Club und dessen Ligazugehörigkeit an, versteht man schnell warum Hansa in den letzten Jahren nie um den Aufstieg mitgespielt hat. An der Stelle empfehle ich allen, sich bei Gelegenheit mal die aktuellen Stationen ehemaliger Hansaspieler anzuschauen. Das allein verdeutlicht die schlechte Kaderzusammenstellung in den letzten Jahren.

Ärgerlich in Bezug auf die Abgänge war rückblickend gesehen nur die Vertragsauflösung von Torwart Kai Eisele der mit dem Halleschen FC eine sehr gute Saison gespielt hat. Vor der Saison habe ich ihn schlechter als Ioannis Gelios eingeschätzt. Nach der Saison sehe ich das etwas anders.

Jetzt freut man sich schon über Neuzugänge aus Aue

Womit ich direkt beim Thema wäre. 12 neue Spieler kamen im Sommer dazu, darunter ein neuer Stammtorwart – Ionnis Gelios. Dieser musste das schwere Erbe von Blaswich antreten und hat sich nach ein paar kleinen Wacklern zu Beginn der Saison doch ganz gut gemacht. Die Abwehr wurde mit Phil Ofosu-Ayeh verstärkt, der aber bereits in der Winterpause wieder verschwunden war.

Ansonsten blieben in der Defensive vor allem die Außenpositionen dünn besetzt. Hier hätte man nach meiner Meinung vor der Saison mehr machen müssen. Stattdessen wurde Kai Bülow zurück geholt. Ein guter Transfer, vor allem wenn man bedenkt, dass der Abwehrchef Oliver Hüsing zum Saisonbeginn nicht einsatzfähig war. Bülow selbst hat seine besten Jahre sicherlich hinter sich, aber eine Menge Erfahrung und Ausstrahlung. Etwas was ich ansonsten im Kader mit Ausnahme von Hüsing komplett vermisse.

Ein Spieler, dessen Leistungskurve stetig nach oben zeigt, ist Jonas Hildebrandt. Er hat in der letzten Saison noch keine Bäume ausgerissen, aber ich hoffe, dass Hansa an ihm festhält. Von Mirnes Pepic war ich größtenteils enttäuscht. Sicher, er hat zuvor in der zweiten Liga gespielt, aber eben auch nur bei Aue und Paderborn. Und wenn man die Einsatzminuten betrachtet, hat er gerade mal neun komplette Spiele in der zweiten Liga absolviert. Klar – sein Tor im DFB-Pokal war grandios (dazu später mehr), aber alles in Allem ist er eine Pfeife die Hansa Rostock nicht weiterbringen wird. Seine Statistiken sprechen Bände.

Ebenfalls aus Aue kam vor der Saison Cebio Soukou. Spielerisch einer der besten Offensivleute die in der Drittligazeit bei Hansa aktiv waren. Leider muss Hansa schon nach einem Jahr wieder auf ihn verzichten. Viel Spaß auf der Alm.

Der beste Transfer war ohne Zweifel die Verpflichtung von Merveille Biankadi. Wie der Junge den Verantwortlichen im Rumpelkader von Rot-Weiß Erfurt aufgefallen ist, ist mir wirklich ein Rätsel. Ohne Probleme hätte Biankadi in dieser Saison 20 Tore auf dem Konto haben können. Wir können von Glück reden, dass er so manche Großchance liegen gelassen hat. Sonst wäre er jetzt wahrscheinlich weg.

In der Winterpause wurden mit Tanju Öztürk und Maximilan Ahlschwede zwei grundsolide Drittligaspieler geholt. Sie haben den Kader zumindest nicht schlechter gemacht. Aber auch hier gilt: wer mit 29 in der dritten Liga spielt, ist meist auch nicht zu höherem berufen. Alle restlichen Neuverpflichtungen sind meiner Meinung nach nicht der Rede wert. Marco Königs hatte großes Verletzungspech und wird es beim Spielstil von Jens Härtel auch in der kommenden Saison eher schwer haben. Schade, denn ich mag ihn sehr und habe mich auch gefreut als er zu Hansa gewechselt ist.

Trainer grüß mir die Sonne

Nach der ersten Saison unter Pavel Dotchev hatte man das Gefühl einen kompetenten Trainer an Bord zu haben. Mir persönlich ging trotzdem auf die Nerven, dass man Dotchev ständig als „Aufstiegstrainer“ angepriesen hat. Als ob man durch einen einmaligen Erfolg automatisch in der Lage ist, einen anderen Verein ebenfalls zum Aufstieg zu führen. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern (Christian Brand, Karsten Baumann, Peter Vollmann, Andreas Bergmann, Marc Fascher, Wolfgang Wolf – auch hier gibt die aktuelle Station Auskunft über die Qualifikation unserer einstigen Cheftrainer) war Dotchev wirklich ein sehr guter Trainer für Drittligaverhältnisse. Zudem hat er es gut verstanden sich gegenüber den Fans zu inszenieren – immer freundlich und bescheiden – diese Attitüde sorgte für eine sehr große Lobby bei den Hansafans. Liest man jedoch ein bisschen über Dotchev und seinen Abgang bei Aue und Paderborn wird schnell klar, dass der Trainer nicht mit allen Kollegen kompatibel ist.

Auffällig war auch, dass viele Spieler bei ihm sehr schnell keine Chance mehr bekommen haben und es dann auch in der Regel kein Zurück mehr gab. Wie weiter oben erwähnt, bin ich ich gerade im Fall von Joshua Nadeau dafür aber sehr dankbar. Auf der anderen Seite gehören mehr als elf Spieler zum Kader und eine wichtige Aufgabe des Trainers besteht darin, alle mit auf den Weg zu nehmen. Bei Dotchev war meiner Meinung nach kein langfristiges Konzept zu erkennen. Sein Fußball war auf den kurzfristigen Erfolg ausgelegt und schon sehr früh in der Saison zeigte sich, dass die ehemals so starke Defensive leicht geknackt werden konnte und vorne die Tore ausblieben. Da wird es dann im Fußball leider schnell eng.

Trotzdem blieb die Hoffnung dass mit dem Gespannt Dotchev/Thiele über die kommenden Jahre hinweg eine erfolgreiche Mannschaft zusammengestellt werden kann. Dass die beiden nur bedingt mit einander klar kamen wurde jedoch immer deutlicher und nach den schlechten Spielen zum Jahresende 2018 auch öffentlich.

Der Vorstand saß damit mal wieder in der Zwickmühle. Hätte man nur Thiele gefeuert, hätte Hansa wieder vor dem gleichen Problem gestanden, welches bereits in den vorherigen Jahren immer für Unruhe gesorgt hat. Ein neuer Sportdirektor/Sportvorstand hätte mit dem bestehenden Trainer arbeiten müssen und hätte bei der Besetzung seines wichtigsten Mitarbeiters kein Mitspracherecht gehabt. Aus dieser Sicht kann man die Entscheidung, Dotchev und Thiele gleichzeitig zu feuern, verstehen – jedoch stand Vorstandschef Marien bei der Entscheidung sicherlich kurz vor einem Magengeschwür.

Denn bereits die Vertragsverlängerung mit Christian Brand kurz vor dessen Rausschmiss war ein riesiger Fehler, den ihm viele Fans schon nicht durchgehen lassen wollten. Nun flog also auch der beliebte Cheftrainer raus, der ohne Wenn und Aber Hansa Rostock zumindest wieder vorsichtig die Richtung gezeigt hat. Ich denke Thiele wird bei Hansa niemand wirklich vermissen. Ich persönlich empfand ihn trotzdem als sehr sympathisch und engagiert, aber Hansa ist nun mal nicht leicht zu managen.

Pieckenhagen am Ziel

Nachdem zum Jahresbeginn also Sportchef und Trainer die Koffer packen mussten, sollte zunächst erstere Position neu besetzt werden. Da man sich in den vergangenen Jahren entweder für unerfahrene Manager oder Kandidaten mit Stallgeruch entschieden hatte, entschied man sich in diesem Fall konsequenterweise für einen unerfahrenen Manager mit Stallgeruch.

Martin Pieckenhagen hatte sich schon jahrelang in Position gebracht, Konzepte für die sportliche Ausrichtung eingereicht und immer wieder von Außen die aktuelle Situation bei Hansa Rostock analysiert und die Einstellung der Spieler kritisiert. Kaum eine Übertragung der Spiele in denen Pieckenhagen als ehemaliger Hansaprofi nicht am Mikrofon stand. Das Sportmanagement-Studium abgeschlossen, erste Gehversuche mit Mecklenburg Schwerin, Netzwerk hier, Zeitungskolumne da – Willkommen an Bord der Kogge.

Ich war äußerst skeptisch als meine Befürchtung wahr und Pieckenhagen offiziell vorgestellt wurde. Seine öffentlichen Aussagen teile ich zwar größtenteils und er weiß auf was es im Profifußball ankommt, ist ehrgeizig und fordert von allen Leistung ein. Aber die Art und Weise mit der er sich als vermeintlicher Experte an diesen Posten heran geschlichen hat, erinnert sehr stark an Stefan Effenberg und Co.

Vielleicht täuscht mich mein Bauchgefühl auch und Pieckenhagen hat tatsächlich mit einem grandiosen Konzept überzeugt, auf der anderen Seite hat Hansa mit Robert Marien auch einen sehr schwachen Vorstandsvorsitzenden, der erst langsam aus der Lehrzeit herauswächst. Ob er bereits nach seiner kurzen Amtszeit wirklich einschätzen kann ob ein Manager die nötigen Fähigkeiten mitbringt, wage ich zu bezweifeln.

Was ich Pieckenhagen allerdings abnehme, ist sein Wille die Profimannschaft von Hansa Rostock sportlich wieder in die Erfolgsspur zu führen. Und letztendlich ist dies die Basis für alles andere

Härtel – der beste Trainer den man kriegen konnte

Sehr positiv überrascht war ich direkt nach wenigen Tagen, als mit Jens Härtel der neue Trainer feststand. Erster Pluspunkt, Piecke! In manchen Foren und Gesprächen stieß Hansafans die Magdeburger Vergangenheit und der sächsische Akzent des neuen Trainers auf. Diesen Leute sollte mal jemand einen Kalender schenken und die Jahreszahl „2019“ fett umkreisen. Scheißegal wo der Typ herkommt, was er vorher gemacht oder ob er die Synchronstimme von Sachsen-Paule ist.

Jens Härtel ist einer der besten Trainer in Deutschland. Bodenständig, fordernd, taktisch ganz weit vorn, und tut sich Hansa Rostock trotzdem an. Dotchev hin oder her, ich habe Härtel und seine Arbeit sehr bewusst seit seinem Start in Magdeburg verfolgt und bin der Meinung, dass Hansa mit ihm einen absoluten Glücksgriff gelandet hat. Auch wenn die ersten zwei Spiele unter ihm verloren wurden, konnte man direkt erkennen, dass er nicht nur ein Spielsystem im Kopf hat, Schwächen sehr schnell ausgleichen kann und Spielern nichts durchgehen lässt. Er ist ein Profitrainer und benötigt nun eben auch die richtigen Profispieler für sein Konzept. Im Vergleich zu seinen Vorgängern hat er zusätzlich den Vorteil der Ruhe im Umfeld. Seine Eingewöhnungszeit war vergleichsweise lang und daher werden die Hansafans seine Arbeit und Ergebnisse mit Beginn der Vorbereitung auf die neue Saison sehr genau bewerten.

Der erste Dämpfer nach einer Minute

Das gute für Härtel ist, schlechter als in der Saison 2018/2019 kann man überhaupt nicht in eine Spielzeit starten. Bereits nach einer Minute kam Joshua Nadeau zu spät gegen den Cottbusser Stürmer Streli Mamba und der Schiedsrichter musste Strafstoß geben. Der war natürlich drin und der neue Torwart Gelios hatte seinen ersten Gegentreffer kassiert, ohne einmal den Ball berührt zu haben. Nach zwei weiteren individuellen Fehlern stand es am Ende 3:0 für Energie Cottbus und Hansa Rostock fand sich nach dem ersten Spieltag auf dem letzten Tabellenplatz wieder. Was für eine Ernüchterung.

In der Vergangenheit wollte der DFB Hansa des Öfteren ein Geschenk machen und terminierte am ersten Spieltag eine Partie gegen einen Aufsteiger. Ich kann mich nicht erinnern, dass Hansa so ein vermeintlich einfaches Spiel jemals gewinnen konnte. Relativ schnell war also klar, dass die Mannschaft zwar Ambitionen hatte, aber sich von dem forsch formulierten Aufstiegsziel sichtlich unter Druck setzen ließ.

Anschließen folgte ein überraschender Sieg gegen den Zweitliga Absteiger Eintracht Braunschweig. Wobei sich im Laufe der Hinrunde zeigte, dass dieser Sieg doch nicht so überraschend war. Denn Braunschweig stand zu dieser Phase komplett neben sich. Am dritten Spieltag folgte dann einer der geileren Fußballmomente. Ein 3:2 Heimsieg gegen Wehen-Wiesbaden durch ein Tor in der Nachspielzeit nachdem man kurz zuvor den vermeintlichen Last-Minute-Ausgleich kassiert hatte. Für diese Spiele geht man ins Ostseestadion. Die Spieltage 4-9 blieben ohne größere Highlights der positiven Art. Negativ fielen aber zwei herbe Heimniederlagen mit jeweils vier Gegentoren gegen Würzburg und Münster auf.

Schmerzlich vermisst wurde Oliver Hüsing zu Beginn der Saison. Wenn in einer Mannschaft die ohnehin auf der Bank schwach besetzt ist, der beste Spieler, Kapitän und Abwehrchef ausfällt, kann man das einfach nicht kompensieren. Einige Spieler hatten dadurch direkt ein Alibi und andere konnten diesen Ausfall eben nicht vollwertig ersetzen. Gerade zu diesem Zeitpunkt der Saison hätte die Mannschaft geschlossener auftreten müssen, um Hüsings Abwesenheit auszugleichen. Das hat sie nicht getan.

Die beste Phase der Hinrunde hatte die Mannschaft von Hansa Rostock aus Ergebnissicht zwischen dem 10. und dem 15. Spieltag. Vier Siege und zwei Unentschieden, darunter 3 Punkte gegen Halle, Karlsruhe und Kaiserslautern sorgten dafür, dass Hansa nach 15 Spielen nur einen Punkt Rückstand auf den zweiten Platz hatte. Wobei auch erwähnt werden muss, dass die Leistung keinesfalls berauschend war. Aber immerhin stimmten die Ergebnisse.

Leider zeigte die Mannschaft nach diesen Spielen, dass sie nicht in der Lage ist in den entscheidenden Momenten Spiele zu gewinnen. Jedesmal wenn sich die Chance ergab, auf einen Aufstiegsplatz zu springen oder zumindest den Anschluss an die Aufstiegsplätze zu halten, konnte nicht gewonnen werden. Der letzte Sieg im Jahr 2018 blieb damit das 4:1 gegen Kaiserslautern Anfang November.

Anschließend folgte eine Serie von sieben sieglosen Spielen, in denen Hansa lediglich drei Tore erzielen und zwei Punkte holen konnte. Die bittere 0:2 Heimniederlage zum Rückrundenauftakt kurz vor Weihnachten gegen Energie Cottbus besiegelte endgültig das Aus von Pavel Dotchev als Cheftrainer. Ausgerechnet gegen Cottbus konnte Hansa in dieser Spielzeit also nicht mal ein Tor erzielen und verlor beide Spiele in einer Art und Weise, die den Fans gegenüber nicht zu vertreten war.

Stabile Rückrunde trotz Heimschwäche

Wie bereits erwähnt, wurde zum Jahresbeginn Jens Härtel als neuer Trainer verpflichtet. Drei Neuzugänge sollten den Konkurrenzkampf in der Mannschaft befeuern und zudem ein Vorgriff auf die kommende Saison sein. Ansonsten gab es hinsichtlich des Profiteams keine weiteren Änderungen oder gar Vertragsverlängerungen. Die ersten zwei Spiele unter Härtel gingen direkt 0:2 verloren und Hansa fand sich auf einmal auf dem 12. Platz wieder und hatte seinerzeit nur noch vier Punkte Vorsprung auf die Abstiegsplätze. Und für kurze Zeit ging deshalb schon wieder das Abstiegsgespenst in Rostock um, dass den Club in den vergangenen Drittligajahren leider nie ganz verlassen hat.

Härtel wich jedoch schnell wieder von seinem ersten Konzept ab und ließ einen Fußball spielen, welcher der Qualität des Kaders entsprach. Relativ schnell war jedoch klar, dass Hansa die Aufstiegsränge nicht mehr erreichen würde und das Minimalziel nur noch der vierte Platz und die direkte Qualifikation für den DFB-Pokal heißen konnte. Auch dies wurde letztendlich verfehlt und so nimmt Hansa Rostock Jahr für Jahr anderen Vereinen in Mecklenburg-Vorpommern die Chance auf den DFB-Pokal. Dass sich eine Mannschaft trotz verpasstem Aufstieg, zumindest aus Solidarität für kleine Vereine aus dem Land, welches ja schließlich laut Kampagne „weiß-blau“ ist, um den vierten Platz bemüht, ist also scheinbar zu viel verlangt.

Insgesamt verlief die Rückrunde sogar ganz gut. Zwei völlig unnötige Heimniederlagen gegen Meppen und Jena sowie Unentschieden gegen die Kellerkinder Köln, Lotte und Großaspach trüben den Eindruck natürlich. Dem gegenüber stehen aber auch Auswärtssiege beim Aufsteiger Osnabrück, sowie in Würzburg, München, Münster und Kaiserslautern. Allesamt Vereine mit ähnlichen Ambitionen wie Hansa Rostock.

Saisonfazit

Ein riesiges Manko war wie so oft die Chancenverwertung. Wenn die vergangenen Jahre in der dritten Liga eins gezeigt haben, dann das man als Aufstiegsaspirant einen Stürmer braucht, der eine überdurchschnittliche Saison spielt und über 20 Tore erzielen kann. Dieser Stürmer fehlte ganz offensichtlich in den knappen Spielen.

Der Fußball unter Härtel sah in der Summe jedoch schon viel besser aus und lässt zumindest etwas Hoffnung für die kommende Saison entstehen. Positiv muss ebenfalls erwähnt werden, dass Hansa trotz der engen Tabelle gegen Ende der Saison nichts mit dem Abstieg zu tun hatte. Sehr schnell kann man in dieser Liga unten rein rutschen und plötzlich läuft alles schief. Zumindest in dieser Hinsicht war die Rückrunde nervenschonend für Hansafans.

Am Ende einer durchwachsenen Saison stand Hansa wieder auf Platz 6. Zehn Punkte Vorsprung auf den Abstiegsplatz. Fünfzehn Punkte Abstand zum Relegationsplatz. Willkommen im Niemandsland der Tabelle.

Außerdem hat Hansa Rostock die Saison als einzige Mannschaft ohne Platzverweis überstanden und nur 73 gelbe Karten kassiert. Das sind weniger als zwei pro Partie. Die Statistik kann man jedoch auch negativ auslegen. Der Trainer hat seinerseits ja den fehlenden Biss des Öfteren angemerkt. Wobei auch hier hinzugefügt werden muss, dass Osnabrück (67) und Karlsruhe (70) als direkte Aufsteiger die wenigsten gelben Karten der Liga eingesammelt haben.

Und neben vielen Kleinigkeiten die Hansa Rostock zu einem Aufsteiger fehlen, ist vor allem die Heimschwäche ein riesiges Problem. Wenn Hansa Rostock in der dritten Liga irgendein Pfand hat, dann sind es die Fans und dieses Stadion. In den letzten Jahren bin ich schon sehr oft an diesem Club verzweifelt, habe geschrien und fast geweint, aber nichts trifft mich mehr als 10 jubelnde Anhänger von einem Dorfverein nachdem sie im Ostseestadion gewonnen haben.

Dazu kommt die traurige Statistik gegen die Mannschaften im Tabellenkeller. Gegen die Teams, die am Ende Platz 14. oder schlechter belegten, konnte Hansa in 14 Spielen nur 13 Punkte holen. Und das ist definitiv zu wenig, um ganz oben anzuklopfen.

Mitunter hat man den Eindruck, dass die eigene Mannschaft von den Fans keineswegs beflügelt wird, sondern sich eher eingeschüchtert fühlt. Wohingegen die Spieler von Lotte oder Großaspach von der tollen Atmosphäre schwärmen, nachdem sie die Punkte entführt haben. „Zuhause gewinnen und auswärts nicht verlieren“ – eine der einfachsten Fußballweisheiten unter all den einfachen Fußballweisheiten klingt zwar sehr platt, aber gibt genau wider was einen Aufsteiger ausmacht.

Das Ostseestadion ist einfach momentan kein unangenehmer Ort für Gästeteams. Geradezu neidisch muss man auf die Heimspiele von Magdeburg (zumindest in Bezug auf die Auslastung), Dresden (vor allem in der Aufstiegssaison) sowie Union Berlin (sowieso) schauen. Dann kann man ungefähr erahnen, was ein Heimspiel ist. Das führt logischerweise dazu, dass man Spieler im Kader haben muss, die diese Heimspielatmosphäre auch ertragen können und sogar brauchen, um ihre besten Leistungen zu zeigen. Indem man nur Spieler von Zweitvertretungen oder aus anderen Regionalligateams holt, löst man dieses Problem nicht. Was nützt es, wenn die eigene Mannschaft eher gelähmt wird, weil sie mit der Kulisse nicht umgehen kann?

Endlich Runde 2

Zum Thema Kulisse muss ich natürlich noch auf die Spiele im DFB-Pokal eingehen. Spiele? Tatsächlich hat Hansa es seit Jahren mal wieder über die erste Runde hinaus geschafft. Nachdem in der letzten Saison nach dem Spiel gegen Hertha BSC eine Totengräberstimmung über dem Ostseestadion lag, wurde Hansa in dieser Saison der Lieblingspokalgegner VfB Stuttgart zugelost. Und endlich konnte man im Stadion mal wieder erleben, was in Rostock möglich ist und wie sehr die Menschen an diesem Verein hängen.

28:72 % Ballbesitz, 2:14 Torschüsse – aber am Ende stand ein wahnsinnig emotionaler 2:0 Sieg gegen den Bundesligisten auf der Anzeigetafel. Okay, wenn man den weiteren Saisonverlauf vom VfB Stuttgart betrachtet, muss man sich eigentlich auf diesen Sieg gar nichts einbilden, aber ein toller Erfolg war es allemal.

In der zweiten Runde hatte Hansa vermeintlich noch mehr Glück mit der Auslosung. Der 1. FC Nürnberg hatte in der ersten Runde den Oberligisten SV Linx mit Mühe 2:1 besiegt und stolperte auch in der laufenden Bundesligasaison eher planlos über den Rasen. Hansa lag seinerzeit auf einem aussichtsreichen vierten Platz und hatte durch die Ligazugehörigkeit wieder Heimrecht.

Durch einen katastrophalen Fehler der Nürnberger Verteidigung konnte Pascal Breier die Pokalparty sogar direkt wieder starten und Hansa ging mit einem 1:0 in die Pause. Anders als im Spiel gegen Stuttgart ergaben sich sogar einige Chancen zum 2:0, die leichtfertig vergeben wurden. Und so kam es, wie es im Fußball immer kommt. Druck in den letzten Minuten und am Ende kam Nürnberg zum Ausgleich in der Nachspielzeit. In der Verlängerung konnte Hansa durch einen Traumfreistoß von Jonas Hildebrandt sogar noch mal in Führung gehen, aber die Spieler waren sichtlich erschöpft und konnten das 2:2 nicht mehr verhindern. Im Elfmeterschießen trafen leider alle Nürnberger und somit war der Traum von Runde 3 schnell wieder vorbei.

In Erinnerung bleibt mir ein völlig frustrierter Julian Riedel, den ich bis dahin eher als uninteressierten Profi wahrgenommen habe. Seine Reaktionen nach dem Spiel lassen mich hoffen, dass es in der Mannschaft doch mehr Spieler gibt, die sich mit Hansa Rostock identifizieren. In der dritten Runde traf Nürnberg dann auf den HSV – ein Gegner den wohl jeder Hansafan gern mal wieder gesehen hätte. Aber wer weiß, im Fußball kann es mitunter sehr schnell gehen und plötzlich steht man sich wieder gegenüber.

Trotz des bitteren Aus im DFB-Pokal gaben diese Spiele einen Vorgeschmack auf etwas das kommen kann, wenn an den richtigen Stellschrauben gedreht wird.

Meine persönlichen Highlights

Die Spiele im DFB-Pokal waren ohne Frage Höhepunkte, die vom eher langweiligen Alltag in Liga 3 ablenken konnten. Auch das 3:2 im zweiten Heimspiel gegen Wehen-Wiesbaden ist mir in Erinnerung geblieben. Und natürlich sind die Auswärtssiege in München und Kaiserslautern auch tolle Erfolge der Mannschaft gewesen.

Ein Gespräch mit zwei nicht mehr ganz jugendlichen Hansafans vor dem Heimspiel gegen Jena hat mir besonders gut gefallen. Die beiden waren seinerzeit 1999 beim legendären 3:2 in Bochum dabei und erzählten fast die komplette Hinreise und das Spiel nach. Die Rückreise beschränkte sich auf einen Satz: „In Dortmund bin ich schon eingepennt und vorm Hochhaus wieder aufgewacht.“

Vor allem erzählten sie, dass man den Spielern damals angemerkt hat, dass sie alles für Hansa gegeben haben sobald sie das Trikot anhatten. Etwas dass sie von den allermeisten Spielern der letzten Jahre nicht kennen.

Und damit möchte ich diesen umfassenden Saisonrückblick auch beenden. Ich wünsche Hansa Rostock und den Verantwortlichen das nötige Glück bei der Kaderzusammenstellung, um möglichst Spieler zu finden, die das nötige Format und den Charakter haben. Spieler die sich auf diesen Verein einlassen und das Ostseestadion wieder beben lassen. Ich habe den Eindruck, dass die Rahmenbedingungen endlich wieder passen – die möglichen Ausreden, warum ein Aufstieg nicht geklappt hat werden weniger und nun sind letztendlich die Spieler gefragt. Dann kommen die Fans auch von ganz allein.

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